Herzerkrankungen beim Hund


Definition: Die Herzerkrankungen beim Hund können in angeborene und erworbene Kardiopathien (=Herzerkrankungen) eingeteilt werden.

 

1. angeborene Herzerkrankungen/Herzfehler  

Die häufigsten angeborenen Herzmissbildungen/Herzfehler beim Hund sind Pulmonalstenosen (Verengung der Lungenarterie), Subaortenstenose (Verengung der Hauptschlagader), fortbestehender Ductus arteriosus Botalli (bleibende Verbindung zwischen Hauptschlagader und Lungenarterie, abgekürzt PDA) und Herzkammerscheidewanddefekte.

Je nach Schweregrad eines Defektes kann ein Hund eine normale Lebenserwartung bei normaler Lebensqualität haben, oder er entwickelt früher oder später Anzeichen eines Herzversagens oder er stirbt einen Sekundentod. Bei den genannten Missbildungen/Fehler kann schon im Welpenalter ein Verdacht auf eine Missbildung bestehen, da diese Defekte ein Herzgeräusch hervorrufen.

Wenn der Verdacht auf einen angeborenen Herzfehler besteht, sollte eine vollständige kardiologische Abklärung(allg. Untersuchung, EKG und Herzultraschall) vorgenommen werden, um eine exakte Diagnose stellen zu können. Die Defekte werden mittels Herzultraschalluntersuchungen inklusive der so genannten Doppleruntersuchungen (Bestimmung der Blutflussgeschwindigkeit) diagnostiziert. Obwohl nicht jeder angeborene Herzfehler vererbt ist, sollte im zweifelsfall darauf verzichtet werden, mit den betroffenen und den mit ihnen verwandten Hunden zu züchten.

 

2. erworbene Herzerkrankung

Erworbene Herzerkrankungen werden zumeist nach dem betroffenen Teil des Herzens eingeteilt, d.h. In Erkrankungen der Herzklappe, des Herzmuskels, des Endokards (innere Schicht der Herzwand und die vier Herzklappen) sowie des Perikards (Herzbeutel).

Arhythmien (Herzrhythmusstörungen) treten zumeist zusammen mit einer Herzerkrankung auf.

Die am häufigsten auftretenden Herzerkrankungen sind Erkrankungen der Herzklappen (Endokardiose, wie z.B. bei der Mitralinsuffizienz) sowie die Dilatative Kardiomyopathie (DKMP/DCM).

 

a)Erkrankungen der Herzklappen

Veränderungen der Herzklappen beruhen zumeist auf der Degeneration einer der vier Herzklappen, wobei die chronische Form (Endokardiose) überwiegt. Akut-entzündliche Erkrankungen der Herzklappen (Endokarditis) sind selten und gehen immer mit einem hochgradig gestörten Allgemeinbefinden (Apathie) des Hundes einher. Bei derAuskultation ist das charakeristische „Klappengeräusch“ festellbar und führt im Laufe d der Zeit in eine Stauungsinsuffzienz des Herzens. Klinisch äußert sich dasin dem sogenannten „Herzhusten“, der die Folge eines kardial bedingten Lungenödems darstellt. Therapiert wirde jedoch nich das „Herzgeräusch“, sondern entsprechend der kardialen Situation kann der Herzmuskel unterstützt werden. Die Mitralinsufuffizenz ist eine sehr dankbare kardiale Erkrankung, die sichbis ins hohe Lebensalter gut medikamentell beeinflussen läßt. Vorraussetzung hierfür sind jedoch regelmässige kardiologische Kontrolluntersuchungen, die die jeweilige Medikation überprüfen.


b) Erkankungen des Herzmuskels (= Kardiomyopathie)

Die häufigste Erkrankung des Herzmuskels bei Hunden ist die dilatative Kardiomyopathie (DKMP/DCM). Herzmuskelerkrankungen können sowohl infektiöse als auch nicht infektiöse Ursachen haben. Allgemein bekannt ist das Auftreten einer

Myokarditis (Herzmuskelentzündung) im Zusammenhang mit fieberhaften Infekten durch Vieren, Bakterien, Parasiten und Pilze. Gefürchtet ist eine Herzmuskelentzündung infolge eines Zeckenbefalls, wie z.B. bei der Borreliose oder der Ehrlichiose.

Eine nicht infektiös bedingte Kardiomyopathie kann eine toxisch bedingte Nebenwirkung einer Doxorubicin Therapie (Krebsbehandlung) sein oder / und folge einer Bahandlung von der Hypothyreose (=Schilddrüsenunterfunktion) sowie auch des M.Cushing (Nebennierenrindenüberfunktion) beim Hund sein.


c) Herzinsuffizienz 

Das Endstadium einer Herzerkrankung ist die Herzinsuffizienz. Diese ist durch eine inadäquate Pumpleistung sowie daraus resultierender unzureichender Sauerstoff- und Nährstoffversorgung charakterisiert. Eine kongestive Herzinsuffizienz ist gekennzeichnet durch Stauungserscheinungen, wie z.B. Ödembildung. Die Herzinsuffizienz kann akut oder chronisch sein. Bei Hunden mit akuter kardialer Dekompensation besteht häufig eine "Pumpschwäche", klinisch oft mit einer prärenalen Urämie (Harnpflichtige Substanzen im Blut) verbunden.  Bei chronischer Insuffizienz gehen die klinischen Symptome meist mit Flüssigkeitsretention einher wie bei dem "Herzhusten" vieler älterer Patienten mit fortgeschrittener Mitralisinsuffizienz.

Die Ursachen einer Herzinsuffizienz können entsprechend des jeweiligen Pathomechanismus eingeteilt werden:

a)Vorwärts-Insuffizienz infolge inadäquater Pumpleistung (z.B.Dilatative Kardiomyopathie)

b)Rückwärts-Insuffizienz – Volumenüberlastung (Mitralisinsuffizienz, Kardiale Shunts, z.B PDA)

c) Diastolische Funktionsstörung - herabgesetzte Füllung (Hypertrophe Kardiomyopathie, Perikarditis)

d) Drucküberlastung (Hypertonie - Bluthochdruck, Klappenstenose)



Klassifizierung der Herzinsuffizienz

Die Klassifikation der New York Heart Association (NYHA) basiert auf dem Auftreten klinischer Symptome bei Belastung und dem Ausmaß der Einschränkung der Belastungskapazität.

Klasse

Klinisches Symptom

I

Klinische Symptome, wie Einschränkung der Leistungsfähigkeit, können evtl. bei starker körperlicher Belastung auftreten.

II

Hund fühlt sich im Ruhezustand wohl. Klinische Symptome, z.B. Müdigkeit, Husten, Dyspnoe) treen bei moderaten/üblichen Belastungen auf.

III

Hund fühlt sich im Ruhezustand wohl, aber die Belastbarkeit ist minimal. Klinische Symptome treten schon bei minimaler Belastung oder Stress auf.

IV

Fehlende Belastbarkeit. Klinische Insuffizienzzeichen treten bereits in der Ruhe auf.



Ein neues Klassifizierungsschema hat das International Small Animal Cardiac Health Council (ISACHC) eingeführt. Dieses beruht auf der anatomischen Diagnose und dem Schweregrad der klinischen Symptome im Ruhezustand.



Klasse

Klinisches Symptom

I

Asymptomatisch: Keine klinischen Symptome

IA

Anzeichen einer Herzerkrankung sind vorhanden, aber keine Zeichen einer Kompensation (Volumen oder Drucküberlastung, ventrikuläre Hypertrophie).

IB

Anzeichen einer Herzerkrankung sind vorhanden, zusammen mit röntgenologischen oder echokardiographischen Befunden einer Kompensation.

II

Leichte bis mittelschwere Herzinsuffizienz: Klinische Symptome einer Herzinsuffizienz sind im Ruhezustand oder bei leichter Belastung vorhanden und haben einen ungünstigen Einfluss auf die Lebensqualität.

III

Schwere Herzinsuffizienz: Klinische Symptome einer fortgeschrit-tenen Stauungsinsuffizienz (Dyspnoe, auffallender Aszites, schwere Belastungsintoleranz) fallen sofort auf.

IIIA

Ambulante Behandlung ist möglich.

IIIB

Stationäre Behandlung ist erforderlich.



Diagnose: Allgemeine Untersuchung, Röntgen, Blutuntersuchung und Herzultraschall

Behandlung: medikamentös und ggf. operativer Eingriff



Herz und Schilddrüse

Worin besteht nun der Zusammenhang zwischen einer Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung) und einer Hypothreose (Schilddrüsenunterfunktion)?

Ursache hierfür ist der multisystemische Charakter der Erkrankung. Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind vielfältig und ihr Schweregrad reicht von leicht bis sehr schwer. Fell- Hautveränderungen, Apathie (Teilnahmslosigkeit), Gewichtszunahme ohne übermäßige Futteraufnahme sowie kardiovaskuläre Symptome (Bradykardie = langsamer Puls/Herzschlag) sind vorrangig zu nennen. Ein progredienter (= voranschreitender) Abfall der peripheren Schilddrüsenhormone führt am Myokard zu einer reduzierten Kontraktilität (= zusammen ziehen) sowie einer sekundären Dilatation ( = ausdehnen) infolge einer erhöhten Volumenbelastung. Häufig täuscht eine schwere Hypothyreose ( = Schilddrüsenunterfnktion) eine Herzinsuffizenz vor. Im Gengensatz zu einem Hund mit einer dekompensierten Kardiomyophatie zeigt der hypothreote Hund eine auffällige Bradykardie. In der Regel versucht der Organismus bei einer Herzinsuffizienz das fehlende, zikulierende Blutvolumen über eine kompensatorische Herzfrequenzerhöhung auszugleichen.